05.12.2016 | ca. 3 min. Lesezeit | Artikel drucken

Zinsradar Dezember 2016

Wie wirken sich negative Zinsen auf den Bankensektor aus?

Seit März 2016 müssen die Banken jährlich einen negativen Zinssatz von 0,40% auf ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen. Auf diese Weise möchte die EZB Unternehmen und Konsumenten dazu veranlassen, mehr Geld zu leihen und folglich auszugeben. Ziel ist es, die europäische Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Inflation auf das erklärte Ziel der EZB, nämlich knapp unter 2%, zu führen.

Zahlreiche europäische Banken geben die negativen Zinsen bereits an ihre Geschäftskunden weiter. Inzwischen sind aber nicht nur Geschäftskunden davon betroffen: Erst vor Kurzem haben deutsche Sparkassen sowie Volks- und Genossenschaftsbanken wie die Skatbank negative Zinsen auf Sparkonten ihrer Privatkunden erhoben.

Dennoch tun europäische Banken sich grundsätzlich schwer damit, negative Zinssätze ohne Weiteres an die Sparer weiterzugeben. Sie befürchten, dadurch viele ihrer Kunden zu verlieren. Die Tatsache, dass Banken ihre EZB-Einlagenverluste nicht an ihre Kunden weitergeben, wirkt sich negativ auf die Profitabilität des gesamten Bankensektors aus. Das Problem hat sich dadurch verschärft, dass Kunden mehr Geld auf ihren Konten horten, um so den Einkommensverlust durch die niedrigeren Zinsen zu kompensieren.

Wenn die negativen Zinsen anhalten oder sich sogar verschärfen, werden Banken die negativen Zinsen weitergeben, ihre Kunden mit erheblichen Gebühren belasten und aufhören, einzelne Produkte quer zu subventionieren. Es ist kein Zufall, dass vor Kurzem die in Deutschland sehr beliebte Postbank und andere Institutionen Gebühren auf private Girokonten eingeführt haben. Banken, die diese Maßnahmen nicht ergreifen, werden finanzielle Einbußen erfahren und schließlich von proaktiveren Banken überholt werden.

In dieser Hinsicht werden Banken mit Kostensenkungsmaßnahmen, Fusionen sowie Partnerschaften mit dem Fintechsektor konfrontiert werden, um ihren Kunden eine größere Produktauswahl und umsatzstärkere Dienstleistungen anzubieten. Obwohl Kosten und Risiken hiermit einhergehen, sind diese notwendig: Nichts zu unternehmen wird nicht zu einer Rückkehr der Gewinne in der Bankenbranche führen.

Über den Zinsradar

Wir bei WeltSparen glauben, dass Transparenz Kunden dabei helfen kann, das richtige Produkt zu finden. Da Einlagen eine der Hauptfinanzierungsquellen von Banken und nach wie vor das beliebteste Anlageprodukt von Privatkunden sind, wollen wir Ihnen genau hierzu aktuelle Informationen liefern.

 

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Stand: 30.11.2016, Quellen:

Belgien: Spaargrids; ING Belgien, KBC, Belfius Bank
Dänemark: mybanker; Dankse Bank, Nykredit, Nordea
Deutschland: biallo; Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank
Frankreich: FranceTransactions; BNP Paribas, Societe Generale, Crédit Agricole
Irland: Bonkers.ie; Bank of Ireland, AIB, Ulster Bank

Italien: Conti Deposito; UniCredit, Monte Dei Paschi Di Siena, Mediobanca
Niederlande: Spaarrente; ING, Rabobank, Abn-Amro
Norwegen: Norsk Familieøkonomi; DNB, Danske Bank, Nordea
Österreich: biallo; Erste Bank, Bank Austria, Landesbank Oberösterreich
Polen: Oprocentowanie; PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank

Portugal: Pedro Pais; BPI, BCP, Novo Banco
Rumänien: moneycenter; BCR, BRD, Banca Transilvania
Spanien: tucapital; Santander, BBVA, Sabadell
Schweden: Finansportalen; SEB, Nordea, Swedbank
Vereinigtes Königreich: Moneyfacts; HSBC, Barclays, RBS