07.11.2016 | ca. 4 min. Lesezeit | Artikel drucken

Zinsradar November 2016

Die Rückkehr der Inflation

Lieber Leser, wie gewohnt finden Sie hier unseren monatlichen Zinsradar.

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit der Inflationsrate und analysieren, wie sich diese auf die europäischen Sparer auswirkt. Inflation wird als eine allgemeine und anhaltende Erhöhung des Preisniveaus bezeichnet und mittels einer Messung der jährlichen Preisänderung von Gütern bestimmter Warenkörbe ermittelt. Durch die Preissteigerung wird das Geld weniger wert und es wird von einer Geldentwertung gesprochen.

Die durchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone hatte im Juli 2008 mit 4,1 Prozent ihren Höhepunkt und mit Beginn der weltweiten Finanzkrise sank diese enorm und liegt seit November 2013 bei unter einem Prozent. Allerdings strebt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Inflationsrate von nahe aber unter zwei Prozent an, um einen gewissen Abstand zur sogenannten Nullzinsgrenze zu bewahren, damit eine Deflation (Verringerung des Preisniveaus) verhindert werden kann. Die Hauptgründe für die geringe Inflation in der Eurozone liegen vor allem an der schwächelnden Konjunktur und den niedrigen Energiepreisen.

EZB-Präsident Mario Draghi versucht seit geraumer Zeit die geringe Inflation anzukurbeln und hat die Geldpolitik der EZB massiv gelockert und expansiv ausgerichtet. Die Währungshüter um den EZB-Präsidenten haben den Leitzins bereits auf einem historischen Tiefpunkt von null Prozent gesetzt und ein milliardenschweres Wertpapierankaufprogramm aufgelegt, um die europäische Wirtschaft zu stärken und die Inflation zu stimulieren. Insbesondere die deutsche Politik und der Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisieren das Vorgehen der EZB scharf.

Seit April 2016 steigt die durchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone und beträgt im September 2016 0,4 Prozent (Höchststand seit Oktober 2014). Allerdings weichen die Inflationsraten innerhalb der Eurozone enorm voneinander ab. Während Länder wie Belgien und Estland Inflationsraten von 1,8 Prozent bzw. 1,7 Prozent aufweisen, müssen u.a. die Slowakei mit einer Inflationsrate von -0,5 Prozent und Irland mit -0,3 Prozent um eine nachhaltige Deflation bangen.

Besonders betroffen von der steigenden Inflation sind die europäischen Sparer. Durch das extrem geringe Zinsniveau in Europa, wodurch laut mehreren Studien der Sparer Verluste in Milliardenhöhe einbüßte und die ansteigende Inflationsrate wird die Lage für die Sparer immer bedrohlicher. Laut der Europäischen Zentralbank beträgt der Durchschnittszins von Neueinlagen für Privatkunden mit einer Laufzeit von einem Jahr in der Eurozone 0,5 Prozent und bei einer Inflationsrate von 0,4 Prozent sind daraus folgend reale Zinsgewinne kaum möglich. Insbesondere die deutschen und österreichischen Sparer werden durch die steigende Inflation im Niedrigzinsumfeld stark getroffen. Die Durchschnittszinsen sind in beiden Ländern auf jeweils 0,3 Prozent gesunken und bei einer Inflation von 0,8 Prozent für Deutschland (Prognose für Oktober 2016) und 1,1 Prozent für Österreich bedeutet dies eine negative reale Verzinsung für die Sparer. Diese anhaltende Entwicklung verdeutlicht, dass die Sparer weiterhin wachsam nach attraktiven Sparanlagen sein müssen, um der Gefahr der negativen Realverzinsung entfliehen zu können.

 

Über den Zinsradar

Wir bei WeltSparen glauben, dass Transparenz Kunden dabei helfen kann, das richtige Produkt zu finden. Da Einlagen eine der Hauptfinanzierungsquellen von Banken und nach wie vor das beliebteste Anlageprodukt von Privatkunden sind, wollen wir Ihnen genau hierzu aktuelle Informationen liefern. Außerdem können Sie im monatlichen Länderreport landesspezifische Entwicklungen erfahren.

 

 

 

 

 

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Stand: 31.10.2016, Quellen:

Belgien: Spaargrids; ING Belgien, KBC, Belfius Bank
Dänemark: maybanker; Dankse Bank, Nykredit, Nordea
Deutschland: biallo; Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank
Frankreich: FranceTransactions; BNP Paribas, Societe Generale, Crédit Agricole
Irland: Bonkers.ie; Bank of Ireland, AIB, Ulster Bank

Italien: Conti Deposito; UniCredit, Monte Dei Paschi Di Siena, Mediobanca
Niederlande: Spaarrente; ING, Rabobank, Abn-Amro
Norwegen: Norsk Familieøkonomi; DNB, Danske Bank, Nordea
Österreich: biallo; Erste Bank, Bank Austria, Landesbank Oberösterreich
Polen: Oprocentowanie; PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank

Portugal: Pedro Pais; BPI, BCP, Novo Banco
Rumänien: moneycenter; BCR, BRD, Banca Transilvania
Spanien: tucapital; Santander, BBVA, Sabadell
Schweden: Finansportalen; SEB, Nordea, Swedbank
Vereinigtes Königreich: Moneyfacts; HSBC, Barclays, RBS