10.10.2017 | ca. 2 min. Lesezeit | Artikel drucken

Polen – heimliches EU-Wirtschaftswunderland?

Experten sind sich einig: Polen dürfte auch in diesem Jahr zu den dynamischsten Volkswirtschaften Europas gehören. Ob polnische Nationalbank, die britische Barclays Bank oder auch die Europäische Kommission – durchweg haben die Institute ein Wachstum des BIP von deutlich über drei Prozent für das laufende Jahr prognostiziert. In den ersten beiden Jahresquartalen hat die polnische Wirtschaft die Prognosen bereits übertroffen, und lag bei rund 4 Prozent.

Sinkende Arbeitslosigkeit, steigende Löhne und neue Sozialleistungen unterstützen den Trend, indem sie die Konsumlust der Polen weiter begünstigen. „Polen hat eine außergewöhnliche ökonomische Erfolgsstory geschrieben und sich in Rekordzeit von einem Land mit mittlerem zu einem Land mit hohem Einkommen emporgearbeitet“, sagte erst zuletzt die Weltbank. Fachleute rühmen nicht nur den Wachstums-, sondern vor allem auch den Innovationsstandort Polen: Neben vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten sei die Qualität der Zulieferer ebenso bemerkenswert wie der hohe Ausbildungsstandard. So gesehen ist Polen heutzutage ein heimliches EU-Wirtschaftswunderland.

Auch bezüglich der Banken zeigt sich Polen stabil. So bewertet ein aktueller „Health Check“ der Unternehmensberatung Bain & Company die polnischen Banken im Europavergleich im oberen Mittelfeld: Nicht nur hinsichtlich ihrer Profitabilität und Effizienz, sondern auch bei Bilanz und Finanzierung haben die polnischen Banken die Analysten überzeugt. Für Sparer aus Europa dürfte ein weiteres Plus sein, dass die polnischen Banken überdies bereits 1,0 Prozent der Sicherheitseinlagen angesammelt haben.  Damit erfüllt der polnische Einlagensicherungsfonds schon jetzt die von der EU erst bis zum Jahr 2024 geforderten 0,8 Prozent.

Mit dem Einlagensicherungsfonds sind die Banken in den EU-Ländern verpflichtet, Sparer im Falle einer Bankeninsolvenz zu mindestens 100.000 Euro Gegenwert je Kunde und Bank zu entschädigen. Die 0,8-Prozent-Regel wurde gewählt, um Vorsorge für die allermeisten Insolvenzen zu treffen – zugleich aber dem Finanzsystem nicht dauerhaft zu viel Geld zu entnehmen.

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